Stolpersteine in Kaiserslautern

Stolperstein-Initiative

Stolperstein Philipp Mees

Philipp Mees

Meinen Vortrag über Philipp Mees, beginne ich mit einem Zitat von meinem Urgroßvater, Hermann Röper:

„Am 28. Oktober 1938 wurde ich, Hermann Röper, wegen Vorbereitung zum Hochverrat [Bildung einer deutschen Widerstandsbewegung, der S.A.P.] verhaftet, und erst nach viermonatlicher seelischer und körperlicher Misshandlungen seitens der Gestapo mangels Beweisen entlassen. Durch meine und meiner Genossen Philipp Mees, Richard Lenz, Georg Steiner Verschwiegenheit wurden hunderte von illegalen Mitarbeitern vor Verhaftung, Tod und [KZ] Dachau bewahrt. Nur der Genosse Mees, der verraten wurde, erhielt 3 ½ Jahre Zuchthaus und kam anschließend nach Dachau.“

Wie kam es dazu?

Hermann Röper war Mitglied einer Widerstandsbewegung in Kaiserslautern, welche sich aus SPD und SAP Mitgliedern zusammensetze. In heimlichen Treffen besprach man regelmäßig die politische Lage im Nationalsozialistischen Deutschland und die Situation der linken deutschen Opposition.

Im Zuge ihrer subversiven Tätigkeit forderten sie über SPD und SAP-Kontakte antinationalistische, politische Schriften an, welche sie auch selbst vervielfältigten.

Diese versuchten sie anschließend in der Bevölkerung zu verteilen.

DieArbeiterbewegungimWiderstand

Einer der Aktivposten dieser Gruppe war Philipp Mees, für den wir heute einen Stolperstein verlegt haben.

Mees, steht stellvertretend für viele Schicksale aus der Arbeiterbewegung, die sich dem Nationalsozialistischen-Terror entgegengestellt haben und dementsprechend mit Verfolgung, Haft und Unterdrückung konfrontiert waren.

Philipp Mees

Geboren wurde Mees am 5.April 1901 in Kaiserslautern, wo er auch die Volkshauptschule und anschließend die Kaiserslauterer Fachschule für Maschinenbau und Elektrotechnik besuchte.

Nebenbei erlernte er zudem das Schlosser und Mechanikerhandwerk.

1921 trat er der SPD bei und betätigte sich als Referent und Versammlungsredner.

Des Weiteren nahm Mees an diversen gewerkschaftlichen Schulungskursen teil, unter anderem an der Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau bei Berlin.

Ab 1932 studierte Mees an der Frankfurter „Akademie der Arbeit“, allerdings wurde er schon im darauffolgenden Jahr zum Studienabbruch durch den Machtantritt der Nationalsozialisten gezwungen.

In den darauffolgenden Jahren blieb Mees, aufgrund seiner politischen Überzeugung, arbeitslos.

Erst Ende 1937 gelang es ihm eine Arbeit als Schlosser bei der Firma Pfaff in Kaiserslautern zu bekommen, ehe er zusammen mit meinem Urgroßvater und anderen Widerstandskämpfer, am 28.10.1938 verhaftet wurde.

Bis zu diesem Zeitpunkt leisteten Mees und seine Gesinnungsgenossen aktiven Widerstand in der besagten Widerstandsgruppe.

Von 1933 bis 1935 konzentrierte sich die Widerstandstätigkeit vor allem auf das Vervielfältigten und Verteilen der Druckschriften, in Kaiserslautern.

Als geeigneten Ort für die politischen Diskussionen und Vorbereitung der Verteilaktionen bot sich hier die Wohnung von Philipp Mees an. Anlass zur politischen Diskussion bot unter anderem die Bewertung der Abspaltung der SAP von der SPD.

Des Weiteren bestand die Widerstandstätigkeit in der versuchten Kontaktaufnahme zu Widerstandsgruppen in der Umgebung und im Ausland.

So kam es im Frühjahr 1935 zur erfolgreichen Kontaktaufnahme zwischen den Kaiserslauterer Widerständlern und den Ludwigshafener und Mannheimer SAP-Mitgliedern Karl Nord und Willi Petry.

Trotz anfänglicher Bedenken seitens Mees kam es in der folgenden Zeit zur Zusammenarbeit, im Bereich der Lagerung und Verteilung von Druckschriften und der Unterstützung von Angehörigen der politisch Gefangenen.

Kurze Zeit später trafen sich ein Vertreter der SAP Ludwigshafen/Mannheim mit Mees und dessen Lauterer Genossen Jonathan Volk, um die geplante Weitergabe von Flugschriften für die Zukunft zu besprechen. Hierbei tarnte sich Mees mit dem Decknamen „Mathilde“.

Treffpunkt war höchstwahrscheinlich die Gastwirtschaft „Hopfenblüte“, in der Pariser Str., welche schon immer Treffpunkt der politischen Linken war.

Bewirtet und geleitet wurde die Hopfenblüte zu dieser Zeit überwiegend von meinen Urgroßeltern, Hermann und Maria Röper. Innerhalb der Widerstandsgruppe war vor allem Mees darauf bedacht enge Beziehungen zu sich im Exil befindlichen Personen und Organisationen aufrecht zu erhalten.

Aufgrund dessen, beauftragte er auch seinen Mitkämpfer Jonathan Volk damit einen Brief, der an einen Emigranten gerichtet war, in Paris abzugeben.

Hierin versuchte er, auf die Missstände im Deutschen Reich aufmerksam zu machen und forderte die Zusendung von illegalem Propagandamaterial.

Solche Nachrichten und Materialien wie aus Paris oder Basel wurden mit dem Fahrrad über die grüne Grenze gebracht. Die Dünndruckpapiere wurden im Fahrradrahmen oder auch teilweise in Aktenmappen versteckt.

Die Aktenmappen enthielten einen doppelten Boden oder eine zweite Seitenwand.

In der Hoffnung die illegale Widerstandstätigkeit der Gruppe weiter auszubauen nahm er Anfang November 1935 an einem SAP Funktionärstreffen in Basel teil.

In einer Privatwohnung wurden unter anderem die Internationale Lage, die Judenfrage und die politische Situation in Deutschland, vom Standpunkt der SAP aus, besprochen.

Trotz des enttäuschenden Zustandes der innerlich zerrissenen Exilgruppen, blieb Mees in der folgenden Zeit weiterhin politisch aktiv. Wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ wurde Mees infolge seiner Verhaftung im Oktober 1938, schließlich im Juni des darauffolgenden Jahres zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt.

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Seine Kaiserslauterer Gesinnungsgenossen Jonathan Volk und Georg Steiner erhielten eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten bzw. ein Einzug in ein Strafbataillon, in dem Georg Steiner verstarb.

Gegen Röper und Lenz wurde „mangels Beweisen“ das Verfahren eingestellt, nachdem sie jedoch in Schutzhaft misshandelt wurden. Mees verbüßte seine Strafe im Zuchthaus Ludwigsburg. Dort schrieb er seine sehnsüchtigen Gedanken an seine Entlassung, am 22. Februar 1942 in einem Brief an seine Familie nieder.

„Einer meiner ersten Gänge in Freiheit werde ein Streifzug durch den [Erz]Hütterer Wald [Stadtteil von Kaiserslautern]sein. Dort will ich dem tausendstimmigen Chorkonzert der gefiederten Waldbewohner lauschen können, und zu Hause wird kein Gitter vor den Fenstern sein, die Türen werden sich auf einen Druck meiner Hand öffnen und schließen.“

Seine Hoffnungen erfüllten sich hingegen nicht.

Nach der Verbüßung der Zuchthausstrafe wurde Mees 1942 in das Konzentrationslager Dachau verbracht.

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Als Gefangener mit der Nummer 29/650 schrieb Mees mit den nüchternen Worten, in einem Brief an seine Familie:

„Es bleibt mir nichts anderes übrig, als mich mit der neuen Lage abzufinden.“

Nach langjährigen Folterungen und Misshandlungen wurde Mees am 11. November 1944 gewaltsam in die SS-Sturmbrigade Dirlewangeri eingezogen.

Nach den Kämpfen in Ungarn lief Mees am 1.Mai 1945 an der Front über und geriet somit in russische Gefangenschaft. Erst Anfang September 1945 gelang Mees die Rückkehr in seine zerstörte Heimatstadt Kaiserslautern.

Dort betätigte sich Mees von 1946 bis 1966 als Stadtrat der SPD, sowie als hauptamtlicher Kreisvorsitzender des Gewerkschaftsbundes. 1963 erhält er die Freiherr - von - Stein - Plakette und 1966 das Barbarossa- Siegel verliehen.

Der Platz vor dem Polizeipräsidium trägt heute seinen Namen.

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Die Widerstandskämpfer um Philipp Mees, Hermann Röper, Richard Lenz und Jonathan Volk stehen stellvertretend für den Widerstand einfacher Arbeiter.

Sie waren Menschen antinationalsozialistischer Überzeugung, welche im Rahmen ihrer Möglichkeiten unter Einsetzung von Leib und Leben Widerstand leisteten.

Zu ihrer Zeit repräsentierten sie das weltoffene, anständige Deutschland, das gerade in der heutigen Zeit mahnendes Beispiel für eine aktive Zivilgesellschaft sein kann.

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Quellen und Literaturverzeichnis:

Quellen:

Privatarchiv Arlene Röper: Persönlicher Lebenslauf aus der Wiedergutmachung von Hermann Röper, 6.April 1947

Literatur:

Müller, Wolfgang: Philipp Mees (1901-1971). Eine biographische Skizze, in: Jahrbuch zur Geschichte von Stadt und Landkreis Kaiserslautern Band 34/35, hrsg. von der Bezirksgruppe Kaiserslautern im Historischen Verein der Pfalz, Kaiserslautern 1998.

Röper, Arlene: „Arbeiterwiderstand in der Pfalz am Beispiel des SAP-Aktivisten Hermann Röper“, unveröffentlichte Facharbeit im Leistungskurs Geschichte, in den Jahren 2014/2015.

Recherche:

Arlene Röper