Stolpersteine in Kaiserslautern

Stolperstein-Initiative

Stolpersteine Familie Schlachter

Familie Schlachter

Elisabeth Schlachter, geb. Rothschild

Elisabeth Schlachter

Sie wurde am 3. Mai 1873 in Oberweiler im Tal als Tochter des Viehhändlers Abraham Rothschild und seiner Frau Eva Abraham geboren. Die Familie Rothschild verzog in den folgenden Jahren nach Niedereisenbach (heute Glanbrücken). Um 1900 heiratete Elisabeth Rothschild den Kaufmann Adolph Schlachter, mit dem sie drei Kinder hatte: Jakob (* 1903), Albert (* 1904) und Ernst (* 1908).

Die Ehe von Elisabeth und Adolf Schlachter wurde um 1920 geschieden. Elisabeth Schlachter lebte weiterhin in Kaiserslautern und verzog um 1938 zu ihrer Schwester nach Hamburg. Von dort wurde sie am 19. Juli 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo sie am 8. März 1943 verstarb.

Adolph Schlachter

Geboren am 12. Oktober 1881 in Sien-Hoppstädten als Sohn des Viehhändlers Joseph Schlachter und seiner Frau Ida, geb. Wolf. Er wuchs in Sien auf und heiratete um 1900 die in Oberweiler im Tal geborene Elisabeth Rothschild. Adolph Schlachter war Händler für Stoffe und Kurzwaren und verkaufte seine Ware in den Dörfern am Glan. Am Ersten Weltkrieg nahm Adolph Schlachter als Frontkämpfer teil. Nach dem Krieg zog die Familie von Niedereisenbach nach Kaiserslautern. Die Ehe mit Elisabeth Rothschild zerbrach um 1920.

Adolph Schlachter heiratete in zweiter Ehe Elise Schwarz aus Hefersweiler, die protestantischen Glaubens war. Aus der Ehe ging eine Tochter, Ilse Lieselotte (* 1923), hervor. Adolph Schlachter und seine Frau betrieben im Grünen Graben in Kaiserslautern ein Textilgeschäft. Am 11. November 1938 wurde Adolph Schlachter mit seinen Söhnen Jakob, Albert und Ernst nach Dachau deportiert. Als Frontkämpfer des Ersten Weltkrieges wurde er vorzeitig entlassen und konnte zu seiner Familie nach Kaiserslautern zurückkehren. Kurz danach zogen Adolph Schlachter und seine Ehefrau Elise zu deren Verwandten nach Hefersweiler. Adolph Schlachter half fortan seinem Schwager bei der Arbeit in der Landwirtschaft. Der dortige NSDAP-Ortsgruppenleiter, ein Cousin von Elise Schlachter, geb. Schwarz, war ihm „wohlgesonnen“ (so seine Tochter).

Während das Manufakturwaren- und Aussteuergeschäft in Kaiserslautern (Kerststraße 18) geschlossen werden musste, konnte das Ehepaar Schlachter die Wohnung in der Fröbelstraße 16 in Kaiserslautern behalten. Von Hefersweiler aus kehrten sie gelegentlich für kurze Zeit dorthin zurück. 1943 erkrankte Adolph Schlachter, suchte einen Arzt in Kaiserslautern auf und starb einige Tage später. Er wurde von dem protestantischen Pfarrer Thomas auf dem christlichen Friedhof in Kaiserslautern beerdigt. „Hinter dem Gebüsch standen SA-Männer und beobachteten, wer mit der Beerdigung ging“, erinnert sich die Tochter Ilse Lieselotte Diehl.

Ilse Lieselotte Diehl, geb. Schlachter

Sie wurde am 24. September 1923 in Kaiserslautern als Tochter des Kaufmanns Adolph Schlachter und seiner zweiten Frau Elise, geb. Schwarz geboren. Obwohl ihre Mutter protestantisch war, wurde sie im jüdischen Glauben des Vaters erzogen. Von 1934 bis 1937 besuchte sie das Mädchenlyzeum der Franziskanerinnen in Kaiserslautern. 1937 wurde sie von Pfarrer Thomas in der Stiftskirche protestantisch getauft. Sie fand Arbeit in einer Bäckerei auf dem Kotten in Kaiserslautern.

Liselotte_Diehl

Am 22. Oktober 1940 stand sie auf der Liste zur Deportation nach Gurs in Südfrankreich. Der NSDAP-Kreisleiter von Ludwigshafen, der mit einer Freundin von Elise Schlachter bekannt war, sorgte dafür, dass ihr Name von der Liste gestrichen wurde. Da Ilse Schlachter noch in der Nacht vor der Deportation gewarnt worden war, fuhr sie mit dem Zug zur Schwester ihrer Mutter nach Armsheim in Rheinhessen und war somit zum Zeitpunkt der Deportation nicht zu Hause.

1941 arbeitete sie in Lothringen, wurde aber von einer ebenfalls aus Kaiserslautern stammenden Frau als Jüdin gemeldet und musste die Arbeit aufgeben. Sie bekam dann eine Stelle am Kaiserslauterer Gewerbemuseum, bis sie auch dort jemand bei Direktor Dr. Hermann Graf denunzierte und er sie entlassen musste.

Später heiratete Ilse Lieselotte Schlachter den verwitweten Arzt Dr. Diehl in Flonheim in Rheinhessen, wo sie lange Jahre lebte, bis die heute 93-Jährige in ein Seniorenheim in Alzey zog.

Jakob, Katharina und Klaus Joseph Schlachter

Jakob Schlachter wurde am 7. Februar 1903 in Niedereisenbach als Sohn von Adolph und Elisabeth Schlachter, geb. Rothschild geboren. Um 1918 zog die Familie von Niedereisenbach nach Kaiserslautern (Grüner Graben) um. Jakob Schlachter lernte den Beruf des Kaufmanns. Am 6. August 1929 heiratete er in Kaiserslautern Katharina Hauck, die katholischen Glaubens war und am 11. Juli 1907 in Kaiserslautern als Tochter von Josef Hauck und seiner Frau Barbara, geb. Weingarten geboren wurde.

Katharina Schlachter
Jakob Schlachter

Katharina Schlachter, geb. Hauck konvertierte am 8. September 1929 zum Judentum. Die Familie lebte bis August 1932 in Kaiserslautern, zog dann nach Hochspeyer und am 18. April 1935 wieder zurück nach Kaiserslautern. Das erste Kind des Ehepaares Esther Ursula, geboren am 28. Juni 1930, starb bereits einen Monat nach der Geburt. Am 29. November 1931 wurde der Sohn Klaus Josef in Kaiserslautern geboren, die Tochter Doris Cölestine kam am 27. November 1933 in Hochspeyer zur Welt und der Sohn Hans wurde am 18. April 1937 in Kaiserslautern geboren. Zusammen mit seinem Bruder Albert betrieb Jakob Schlachter ein Textilwarengeschäft in der Pirmasenser Straße 26.

Nach der sogenannten „Kristallnacht“ am 10. November 1938 kam Jakob Schlachter mit seinem Vater und seinen Brüdern Albert und Ernst in das Konzentrationslager Dachau. Nach seiner Entlassung aus Dachau zu Beginn des Jahres 1939 konnte Jakob Schlachter zu seiner Familie nach Kaiserslautern zurückkehren. 1939 musste die Familie ihre Wohnung in der Pirmasenser Straße verlassen und wurde zwangsweise umgesiedelt in die Steinstr. 30.

Am 22. Oktober 1940 wurde die ganze Familie nach Gurs in Südfrankreich deportiert. Von dort kam das Ehepaar Schlachter mit seinen drei Kindern am 14. März 1941 in das Lager Rivesaltes bei Perpignan, wo sie alle bis zum 20. Juli 1941 blieben. Die Kinder kamen dann in das Kinderheim Château de Masgelier im Département Creuse. Jakob Schlachter wurde zur Zwangsarbeit in das Département Corrèze abkommandiert. Seine Frau wurde zu einem Bauern in Cros de Montvert im Département Cantal dienstverpflichtet, unweit vom Wohn- und Arbeitsort ihres Mannes, so dass sie sich oft sehen konnten. Am 25. Dezember 1942 gebar Katharina Schlachter den Sohn Pierre.

Doris_Klaus_Hans_Pierre_Schlachter_mit_Mutter
Doris, Klaus, Hans, Pierre Schlachter mit ihrer Mutter

Am 19. August 1942 war Jakob Schlachter in das Lager Egletons im Département Corrèze zum Transport nach Auschwitz gekommen. „Mit Glück hat der Prefekt des Départements Corrèze, weil meine Mutter schwanger war, Mitleid gehabt und hat meinen Vater rausgenommen,“ schrieb Pierre Schlachter. Am 20. September 1944 wurde Jakob Schlachter befreit und wohnte fortan mit seiner Frau und den Söhnen Hans und Pierre in Cros de Montvert, während Klaus und Doris in einem jüdischen Pensionat in Lyon lebten. 1951 zog die Familie nach Florange bei Thionville. Jakob und Katharina Schlachter zogen 1963 nach Fumay in den Ardennen. Dort ist Jakob Schlachter am 3. Februar 1972, seine Frau am 14. August 1984 verstorben.

Der Sohn Klaus Joseph Schlachter war von 1951 bis 1956 in Israel, kehrte nach Deutschland zurück, lebte lange Zeit in Sembach, jetzt in Kaiserslautern, wo er am 14. Juli 2013 verstorben ist. Doris und Hans Schlachter leben noch heute in Frankreich. Der jüngste, in Frankreich geborene Sohn Pierre wohnte in Warcq bei Charleville-Mezière in den Ardennen und starb 2016.

Albert Schlachter

Er wurde am 30. November 1904 in Niedereisenbach als Sohn von Adolph und Elisabeth Schlachter, geb. Rothschild geboren und wuchs dort auf. Um 1918 zog die Familie von Niedereisenbach nach Kaiserslautern (Grüner Graben) um. Albert Schlachter lernte den Beruf des Kaufmanns und betrieb mit seinem Bruder Jakob ein Textilwarengeschäft in der Pirmasenser Straße 26.

Am 26. März 1934 heiratete Albert Schlachter Karolina, genannt Lina Knapp, die protestantischen Glaubens war. Am 21. Februar 1936 wurde die Tochter Hannelore geboren.

Nach den Pogromen am 10. November 1938 kam Albert Schlachter mit seinem Vater und seinen Brüdern Jakob und Ernst in das Konzentrationslager Dachau. Nach seiner Entlassung zu Beginn des Jahres 1939 konnte Jakob Schlachter zu seiner Familie nach Kaiserslautern zurückkehren. Albert und Lina Schlachter brachten ihre kleine Tochter Hannelore bei Verwandten im Odenwald unter, die sie während des Krieges versteckten. 1942 wurde Albert Schlachter nach Auschwitz deportiert, wo er am 26. März 1943 ermordet wurde.

Text: Roland Paul