Stolpersteine in Kaiserslautern

Stolperstein-Initiative

Stolperstein Heinrich Wagner

Heinrich Wagner

Heinrich Wagner wurde am 30.1.1878 in Kaiserslautern geboren und starb im Konzentrationslager Buchenwald am 21.3.1942.1)

Er war der Sohn von Heinrich und Katherine Wagner, geb. Lauer. Von Beruf war Heinrich Tagner und Fabrikarbeiter. Seine Schwester war Anna Hecker.

Heinrich war dreimal verheiratet, alle Ehen wurden in Kaiserslautern geschlossen.

Am 5.11.1906 heiratete er Katherine Englert, geb. am 20.8.1871 in Kreimbach. Am 7.4.1921 starb Katherine. Aus der Ehe gingen 3 Kinder hervor:

1.Reinhard Kurt Wagner, geb. am 25.6.1907 in Kaiserslautern verstarb als Säugling am 3.5.1908.

2.Irma Katherine Wagner, geb. am 3.9.1909 in Kaiserslautern hatte einen nichtehelichen Sohn, geb. am 14.5.1935 namens Albert Seel. Sie heiratete am 22.6.1935 den Ludwig Seel.

3.Hildegard Wagner, geb. am 2.5.1911 in Kaiserslautern.

Die zweite Ehe schloss Heinrich Wagner am 8.10.1921 mit Maria Christmann, geb. am 3.8.1889 in Kaiserslautern. Die Ehe wurde am 26.6.1923 geschieden und blieb kinderlos.

Am 10.12.1924 heiratete er Hedwig Dierberg, geb. am 23.6.1895 in Berlin, geschiedene Frau eines Berliner Kutschers. Auch diese Ehe wurde geschieden – am 11.8.1934.

Zwischen 1910 und 1940 war Heinrich Wagner an etwa einem Dutzend Wohnsitzen in Kaiserslautern gemeldet und hielt sich zeitweise auch außerhalb seiner Heimatstadt auf:

-Von 1910 bis 1913 wohnte er in der Steinstraße 53.

-Am 4.8.1914 wurde er zum Militär eingezogen und in Kaiserslautern abgemeldet. Am 20.11.1918 kehrte er wieder nach Kaiserslautern zurück. Es ist anzunehmen, dass er im 1. Weltkrieg durchgehend im Kriegsdienst war.

-Am längsten war er, evtl. mit Unterbrechungen, in der Bismarckstraße 18 vom 23.8.1913 bis zum 25.4.1925 gemeldet.

-Danach hielt er sich im Raum Berlin auf, wo seine dritte Ehefrau Hedwig lebte. Zeitweise wohnte er in Grünefeld bei Berlin, von wo er sich am 26.9.1931 wieder nach Kaiserslautern zurückmeldete und in der Kennelstraße 16 bei Hecker, vermutlich bei der Schwester Anna, wohnte.

-Am 26.8.1933 wurde er laut Meldedaten der Stadt Kaiserslautern in das Gefängnis in Kaiserslautern in „Schutzhaft“ genommen.

KZ Dachau
Wohnbaracken des Lagers Dachau mit Appellplatz 5)

-Am 17.10.1934 wurde Heinrich Wagner in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Dort wurde er länger als 2 Jahre festgehalten. Zu Weihnachten 1936 wurde er wieder nach Kaiserslautern entlassen6).

Schuetzenstr7
Die Schützenstraße vor der Bombardierung im 2.Weltkrieg ca 1933 1)

-Seine letzte Kaiserslauterer Adresse war ab 4.6.1940 in der Schützenstraße 7 bei Weber. Das Haus auf dem „Kotten“ wurde im September 1944 bei einem großen Bombenangriff zerstört und nicht wieder aufgebaut.

-Am 14.10.1941 wurde die Freiheit von Heinrich Wagner endgültig beendet: Die Kriminalpolizei Kaiserslautern nahm ihn im Auftrag der Gestapo Neustadt erneut in „Schutzhaft“ mit der Begründung: „Staatsfeindliches Verhalten“; er sei wegen staatsfeindlicher Äußerungen festgenommen worden4).

In der Gefängnisakte ist nicht ausgeführt, was ihm konkret vorgeworfen wurde.

Unter der Berufsbezeichnung wurde im Gefängnis-Personalbogen „Invalide“ vermerkt.

Gestaposchreiben

Er war im Landgerichtsgefängnis 1 in Kaiserslautern inhaftiert. Die Gestapo Neustadt teilte dessen Leitung am 14.11.1941 (in dem hier abgebildeten Schreiben) mit, dass das Reichssicherheitshauptamt in Berlin „für Heinrich Wagner bis auf weiteres Schutzhaft und seine Überführung in das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar angeordnet“ hat2).

Eine einfache Anordnung genügte. Eine förmliche Anklage und ein richterliches Urteil waren gemäß vorliegender Quellenlage nicht vorgesehen!

Bis zum 24.11.1941 war Heinrich Wagner noch in Kaiserlautern inhaftiert. Im Gefängnis-Personalbogen musste er unter der Rubrik „Abgangsverhandlung“ per Unterschrift (im Vordruck vorformuliert!) erklären: „Ich habe in der Vollzugsanstalt keinen/einen Unfall erlitten.“ Das lässt darauf schließen, dass Heinrich Wagner misshandelt wurde und dass Verletzungen bei Gefangenen des Landgerichtsgefängnisses 1 nicht unüblich waren 2).

BuchenwaldLuftbild
Flugaufnahme des KZ Buchenwald nach der Befreiung, Ende April 1945. Foto: U.S. Luftaufklärung, National Archives Washington 3)

Am 24.11.1941 wurde er in das Strafgefängnis / die Untersuchungshaftanstalt Mannheim gebracht und am 28. November 1941 in das KZ Buchenwald eingeliefert.

In den Unterlagen der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald wurde er als „Polit.´K´Hftl.“ bezeichnet.

Man kann davon ausgehen, dass er als politisch Verfolgter in einer Strafkompanie zu Zwangsarbeiten eingesetzt wurde. Zu dieser Zeit befanden sich dort mehr als 9000 Gefangene. Die Behringwerke und das Robert-Koch-Institut begannen mit Gefangenen des Lagers im März 1941 Menschenversuche mit Impftests und der Infizierung mit Fleckfieber.

Heinrich Wagner starb im Konzentrationslager Buchenwald am 21.3.19423); er sei „an Herz- und Kreislaufschwäche gestorben“ 4).

Man kann davon ausgehen, dass Heinrich Wagner auf Grund seines wenig sesshaften Lebensstils und wegen Äußerungen gegen den Nationalsozialismus schon 1933 in mehrfacher Hinsicht Gründe für seine Verfolgung, die jahrelange Inhaftierung und seine Ermordung bot.

Christophorusheim
Eingang des Caritas-St.Christophorus-Heims in der Logenstraße 44 7)

Mit einem Stolperstein vor dem St. Christophorus-Heim wurde der Erinnerung an ihn am 9.11.2017 eine Heimstatt gegeben.

Quellen:

1) Die Daten zur Familie sowie die Aufenthaltsdaten wurden den Meldedaten des Stadtarchivs Kaiserslautern (ausgewertet von Herrn Aulenbacher und Herrn Klemenz) sowie den Adreßbüchern der Stadt Kaiserslautern entnommen, das Foto der Schützenstr.7 stammt aus dem Stadtarchiv Kaiserslautern

2) Landesarchiv Speyer Best. J 81 Nr. 310: Schriftwechsel aus der Gerichtsakte des Landgerichtsgefängnisses Kaiserslautern v. 14.10.-24.11.1941

3) Informationen der Gedenkstätte des Konzentrationslager Buchenwald und der Homepage der Gedenkstätte www.buchenwald.de

4) Digitales Archiv ITS Bad Arolsen vom 7.4.17; Archiv-Nr.: 7345

5) Homepage der KZ-Gedenkstätte Dachau www.kz-gedenkstaette-dachau.de

6) Auskunft der Gedenkstätte Dachau vom 2.5.2017

7) Foto: Elisabeth Merkert

Michael Wiesheu Stand 9.11.2017