Stolpersteine in Kaiserslautern

Stolperstein-Initiative

Hugo Herze

Geboren am 29. Juli 1870 in Randerath, heute Stadtteil von Heinsberg, NRW

Gestorben am 04. Februar 1943 in Noé, Frankreich

Hugo Herze, Sohn des Kaufmanns Hermann Herze und seiner Frau Helene Liefgens, ent- stammte einer alteingesessenen und angesehenen jüdischen Kaufmannsfamilie in Randerath, deren Leinenweberei bis Ende des 19. Jahrhunderts die größte Firma der Gegend war. Hugo heiratete am 20. Oktober 1894 Johanna Jakob (s.u.) in Eßweiler, Kreis Kusel, mit der er 7 Kinder hatte, darunter Jakob Herze.

Johanna Herze, geb. Jakob/Jacob

Geboren am 15. September 1874 in Eßweiler, Kreis Kusel

Gestorben am 5. März 1943 in Noé, Frankreich

Johanna Herze, geborene Jakob, entstammte ihrerseits einer jüdischen Kaufmannsfamilie aus Eßweiler, wobei der Vater Lazarus Jakob aus Tholey zugezogen war, die Mutter Barbara Franck aber einer alteingesessenen jüdischen Familie entstammte. Die Eltern Lazarus und Barbara lebten seit 1902 im Gebäude der ehemaligen Synagoge, die mangels Gemeindemit- gliedern geschlossen worden war.

Johanna war die älteste von fünf Töchtern. Sowohl von möglichen weiteren Geschwistern als auch von drei ihrer Schwestern, die schon vor 1933 nach Brooklyn und Chicago emigrierten, gibt es keine weiteren Belege. Die jüngste Schwester Hedwig Geismann, deren Mann im 1. Weltkrieg gefallen war, lebte ebenfalls in Kaiserslautern und wurde nach Gurs deportiert; sie gilt als verschollen.

Das Ehepaar wohnte vorübergehend in Eßweiler, wo die drei ältesten Kinder Leo (17.7.1895- 31.8.1914), Adolf (13.12.1896-6.3.1943) und Arthur (16.8.1898-Februar 1940) geboren wurden. Der vierte Sohn, Jakob (13.2.1901-27.4.1941), wurde in Neunkirchen-Daun – auf dem Han- delsweg von Aachen in die Pfalz gelegen – geboren.

Seit Oktober 1902 lebte die Familie in Kaiserslautern, wo auch die weiteren drei Kinder ge- boren wurden: Sohn Wilhelm (geb. 22.1.1903, 1934 über Paris und Paraguay nach New York emigriert, wo er 1986 starb), Tochter Hedwig (geb. 12.5.1909; 1934 ebenfalls über Paris zu- nächst nach Paraguay, dann Argentinien emigriert, wo sie 1983 starb) und Sohn Erich Hermann (geb. 5.7.1914; 1939 emigriert nach Malmö/Schweden; er starb 1999 in Kaiserslau- tern bei einem Besuch seiner Tochter).

Hugo Herze war von Beruf Kaufmann und als Handelsreisender – bis zum Umzug der Fa- milie, so lassen die Quellen vermuten, im Dienste einer oder mehrerer Firmen im Gebiet um Randerath, wo die Familie lange Zeit gemeldet war – unterwegs. In Kaiserslautern arbeitete er schließlich als Handelsvertreter der Firma Pfaff.

Die Familie lebte zunächst in der Jägerstraße 27 und ab November 1930 in der Luitpoldstr. 71 (heute: Dr. Rudolf-Breitscheidt-Str.). Zuletzt war das Ehepaar Hugo und Johanna Herze ineinem der sogenannten Judenhäuser in der Klosterstraße 21 gemeldet, von wo es nach Gurs deportiert wurde. Versuche, mit den in die USA emigrierten Schwestern Johannas den schon lange abgerissenen Kontakt wieder herzustellen, um durch den Erhalt eines „Affidavit“, einer Einreiseberechtigung in die USA, selbst emigrieren zu können schlugen fehl, sei es, weil die Schwestern nicht antworten wollten oder weil die Ansuchen wegen falscher Adressen nie zugestellt werden konnten.

Beide Eheleute wurden wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert und am 21. Februar 1941 von Gurs nach Noé verbracht, wo Hugo Herze am 04. Februar 1943 starb. Johanna Herze überlebte ihren Mann um einen Monat: sie starb am 05. März 1943 in Noé.

Johanna und Hugo Herze

Gruppenbild mit Insassen des Lagers Gurs: Hugo Herze evtl. vorne sitzend 3. Person von rechts

Gruppenbild mit Insassinnen des Lagers Gurs: Johanna Herze steht am rechten Bildrand.

Verwendete Quellen:

A) Unterlagen im Stadtarchiv Kaiserslautern:
- Familien-Einwohner-Register Hugo Herze
- Familien-Einwohner-Register Jakob Herze

B) Im Internet:
www.statistik-des-holocaust.de (Deportationslisten; Februar 2014)
www.gurs.free.fr (Gefangenenlisten; Februar 2014)
www.ushmm.org (Holocaust Survivors and Victims Database; Februar 2014)
www.collections.ushmm.org (Photoarchiv)
www.randerath.de (Homepage des Ortes Randerath mit zahlreichen geschichtlichen Details
zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung)
www.essweiler.de (Homepage der Gemeinde Eßweiler mit zahlreichen detaillierten Angaben zur Geschichte der jüdischen Gemeinde)

C) Bücher/Artikel:
- Franken, Heinz: Pfarre St. Lambertus Randerath. Die 1000jährigen Kirchengeschichte in Wort und Bild. Heinsberg-Randerath 2010 (vergriffen; Auszüge/Kopien freundlicherweise vom Autor zur Verfügung gestellt)
- Haubrock, Friedrich: „Die Juden in Randerath. Ein Stück Industriegeschichte des Selfkants“, in: Kalenderblatt Randerath, S. 295 (um 1960). Kopie (freundlicherweise von H. Franken zur Verfügung gestellt)
- Paquet, Alfred: Ortsfamilienbuch „Die Familien der Gemeinde Eßweiler seit 1798“. Familien- und Personenbericht. Digitalfassung (freundlicherweise vom Autor in digitaler Fassung – Auszüge – zur Verfügung gestellt)
- Paul, Roland: Interview mit Erich Herze 1994, unveröffentlicht (freundlicherweise von R. Paul zur Verfügung gestellt)
- Paul, Roland: Die nach Gurs deportierten pfälzischen Juden. Eine Dokumentation. Kaiserslautern 2011, S. 70 (auf CD-Rom)
- Peters, Dieter: Die jüdischen Friedhöfe in Randerath (Broschüre). Aachen/Randerath 1997 (Kopie freundlicherweise durch H. Franken mit Genehmigung des Autors zur Verfügung gestellt)
- Pinto, Santosh: „Jüdische Gemeinde“, in: Unsere Heimat. Heinsberg-Randerath 1982, S. 117-119 (Kopie freundlicherweise von H. Franken zur Verfügung gestellt)

D) Gespräche /E-mail:
- Gespräch mit Frau Anita Jörg, geb. Herze, am 12.3.2014 in Kaiserslautern-Mölschbach
- E-Mail-Korrespondenz mit Herrn Dieter Hahn, Eßweiler (02-03 2014)
- E-Mail-Korrespondenz mit Herrn Adolf Paquet, Eßweiler (02-03 2014)
- E-Mail-Korrespondenz mit Herrn Heinz Franken, Heinsberg-Randerath (02-03 2014)
- E-Mail-Korrespondenz mit Herrn Dieter Peters, Aachen (02-03 2014)

E) Bildnachweis:
- Ehepaar Hugo und Johanna Herze, Privatbesitz Frau Anita Jörg, geb. Herze (freundlicherweise zur Verfügung gestellt)
- Gruppenbild männlicher Insassen vor einer Baracke in Gurs (Hugo Herze: vorn, 3.von rechts): http://digitalassets.ushmm.org/photoarchives/detail.aspx?id=1043135 (15.3.2014)
- Gruppenbild weiblicher Insassen vor einer Baracke in Gurs (Johanna Herze: rechts außen): http://www.ushmm.org/wlc/en/media_ph.php?MediaId=515 (15.3.2014)

Zusammengestellt von
Dr. theol. Doris Lax
Geisenbergstr. 26
66892 Bruchmühlbach