Stolpersteine in Kaiserslautern

Stolperstein-Initiative

Jakob Herze

Geboren am 31. Februar 19001 in Neunkirchen-Daun, Eifel
Gestorben am 15. April 1941 in Gurs, Frankreich

Jakob Herze wurde als vierter Sohn des Ehepaars Hugo Herze und Johanna, geb. Jakob in Neunkirchen in der Eifel, heute Ortsteil von Daun, geboren. Daun lag auf einer alten Handelsroute, die von Norden und Westen herkommend die Region um Aachen, woher der Vater stammte, und die Region um Kusel im Süden verband. Jakobs Mutter entstammte einer alteingesessenen jüdischen Familie aus Eßweiler, das an der Handelsroute lag. Jakobs Vater Hugo stammte aus Randerath (heute Heinsberg) und war Handelsvertreter. Die drei älteren Brüder Leo, Adolf und Arthur waren in Eßweiler geboren worden, wo die Familie vorübergehend gelebt hatte. Ob Jakob auf der Reise von Eßweiler nach Randerath oder auf dem Weg nach Eßweiler zur Welt kam, ist nicht zu klären.

Wiewohl die Eltern erst ab 5. April 1907 als wohnhaft in Kaiserslautern gemeldet waren, ist als Meldedatum für Jakob bereits der 8.10.1902 zu finden. 1903 wurde Bruder Wilhelm, genannt Willi, 1909 Schwester Hedwig und 1914 Bruder Erich Hermann geboren. Die Familie lebte in Kaiserslautern zunächst in der Jägerstr. 27 und ab 1930 in der Luitpoldstr. 71 (heute: Dr. Rudolf-Breitscheidt-Str.). Über den beruflichen Werdegang von Jakob Herze ist nur bekannt, dass er Schneider war; auf seiner Meldekarte ist zusätzlich die Berufsbezeichnung Kaufmann eingetragen.

Am 6. Juni 1931 heiratete er Lydia Horn, bei deren Familie er seit Januar 1931 lebte. Das Ehepaar Lydia und Jokob Herze hatte vier Töchter: Hedwig (geb. am 23.1.1931), Hannelore (geb. am 19.7.1933), Anna Helene (geb. am 5.12.1935, gestorben am 3.6.1939) und Ruth (geb. am 30.6.1939). Jakob Herze wurde wie viele andere in der Folge der Reichspogromnacht am 12. November 1938 im Konzentrationslager Dachau interniert, wo er seinen jüngsten Bruder Erich, der als Gärtner bei Heilbronn gearbeitet hatte und ebenfalls interniert worden war, traf. Jakob Herze wurde am 10. Dezember 1938 wieder nach Hause entlassen.

Zusammen mit seiner Frau und den drei noch lebenden Töchtern wurde er am 22. Oktober nach Gurs deportiert, wo er im April 1941 starb – laut einem Eintrag im Personenstandsregister am 15., entsprechend einem weiteren Eintrag und laut Mitteilung des Sonderstandesamtes Arolsen, Kreis Waldek am 27.4.1940. Auf seinem Grabstein in Gurs finden sich keine genauen Angaben.

Verwendete Quellen:

A) Unterlagen im Stadtarchiv Kaiserslautern:
- Familien-Einwohner-Register Jakob Herze
- Personenstandsregister Lydia Herze, geb. Horn

B) Im Internet:
www.statistik-des-holocaust.de (Deportationslisten; Februar 2014)
www.gurs.free.fr (Gefangenenlisten; Februar 2014)
www.ushmm.org (Holocaust Survivors and Victims Database; Februar 2014)
www.collections.ushmm.org (Photoarchiv)
www.yadvashem.org (Datenblätter)
www.essweiler.de (Homepage der Gemeinde Eßweiler mit zahlreichen detaillierten Angaben zur Geschichte der jüdischen Gemeinde)

C) Bücher/Artikel:
- Paquet, Alfred: Ortsfamilienbuch „Die Familien der Gemeinde Eßweiler seit 1798“. Familien- und Personenbericht. Digitalfassung (freundlicherweise vom Autor in digitaler Fassung – Auszüge – zur Verfügung gestellt)
- Paul, Roland: Interview mit Erich Herze 1994, unveröffentlicht (freundlicherweise von R. Paul zur Verfügung gestellt)
- Paul, Roland: Die nach Gurs deportierten pfälzischen Juden. Eine Dokumentation. Kaiserslautern 2011, S. 70 (auf CD-Rom)

D) Gespräche /E-mail:
- Gespräch mit Frau Anita Jörg, geb. Herze, am 12.3.2014 in Kaiserslautern-Mölschbach
- E-Mail-Korrespondenz mit Herrn Dieter Hahn, Eßweiler (02-03 2014)
- E-Mail-Korrespondenz mit Herrn Adolf Paquet, Eßweiler (02-03 2014)

E) Bildnachweis:
- Hedwig und Hannelore Herze, Privatbesitz Frau Anita Jörg, geb. Herze (freundlicherweise zur Verfügung gestellt)
- Gruppenbild mit Kindern im Kinderheim Aspet (Hedwig Herze, vordere Reihe, 6. von rechts): http://digitalassets.ushmm.org/photoarchives/detail.aspx?id=27744 (15.3.2014)
- Gruppenbild mit spielenden Kindern im Kinderheim Aspet (Hedwig Herze: rechter Bildrand): http://digitalassets.ushmm.org/photoarchives/detail.aspx?id=1168920 (15.3.2014)
- Archiv-Bild Hedi Herze: http://collections1.yadvashem.org/arch_srika/500-1000/500-1000/926_21A.jpg (15.3.2014)

Zusammengestellt von
Dr. theol. Doris Lax
Geisenbergstr. 26
66892 Bruchmühlbach