Stolpersteine für Eugenie und Ludwig Rosenblatt


Recherche: Bernhard Gerlach 2024; Ergänzungen Michael Wiesheu 2026

Für Ludwig und Eugenie Rosenblatt wurden am 29. September 2024 vor ihrem ehemaligen Wohnhaus in Kaiserslautern in der Mannheimer Straße 106 zwei Stolpersteine verlegt.

Historiker Bernhard Gerlach hatte schon 1986 in der Festschrift zum 150-jährigen Jubiläum 1986 des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Kaiserslautern die Biografie zum Gedenken an seinen Lehrerkollegen Rosenblatt veröffentlicht. (Dr. Alfred Hans, Bernd Beutel, Bernhard Gerlach (Red.): Festschrift des Albert-Schweitzer-Gymnasiums 1811 – 1986, S. 82 – 94)

Bei der Verlegung der Stolpersteine trug er die Biografie des Ehepaares vor.


Ludwig Rosenblatt

Eugenie Kaufmann

Fotos: mit freundlicher Widmung von Raphael Hirsch, Urenkel von Eugenies Schwester Frieda.

Ludwig (auch Louis) Rosenblatt, geboren am 6.5.1895 in Nürnberg, als Sohn von den in Nürnberg geborenen und dort auch verstorbenen Siegmund Rosenblatt (1865 – 1928) und Lina Frankenberger (1869 – 1938).

Am 24.4.1926 heiratete er die am 2.6.1896 in Ladenburg geborene Eugenie Kaufmann.
Das Ehepaar war ab 1.9.1928 in Kaiserslautern gemeldet. Ihre Ehe blieb kinderlos.

Ab 1.11.1928 bis zum Wegzug aus Kaiserslautern am 20.3.1936 wohnten sie im „Grünen Block“ in der Mannheimer Straße 106. (Meldekarte, Stadtarchiv Kaiserslautern)

Der „Grüne Block“, Mannheimer Straße 108 – 94,
Blickrichtung Innenstadt, März 2026
Foto: Michael Wiesheu

Der „Grüne Block“, gebaut 1926 – 1928, war eines der ersten Projekte der Bau AG; erstellt von Hermann Hussong (1881-1960). Die stadtbildprägenden Bauten des Architekten und Stadtplaners stehen heute unter Denkmalschutz. Für die Nationalsozialisten waren sie „Kulturbolschewismus“ und sie entfernten Hussong am 12. September 1933 aus seinem Amt. In der Mannheimer Straße 94 bis 108 lebten viele Lehrer und andere Beamte. Im Jahr 1930 wohnte lt. „Adreßbuch Kaiserslautern 1936“ in einer der acht Wohnungen des Hauses Nr. 106 neben dem Ehepaar Rosenblatt auch Rechtsanwalt Rudolf Hammann:

Der Jurist war ein rücksichtsloser Aktivist der NSDAP. Als Sturmführer der SA verantwortlich für die Festnahme und Drangsalierung des jüdischen Rechtsanwalts Dr. Tuteur, setzte er ihn den schikanösen Behandlungen der Polizei aus. Von Gauleiter Bürkel 1933 in Neustadt als kommissarischer Bürgermeister eingesetzt, soll er in dem dort errichteten ersten Konzentrationslager zur Misshandlung von politischen Gefangenen angestiftet haben. Über das Zusammenleben der Nachbarn Rosenblatt und Hammann im gleichen Haus ist nichts bekannt. (Siehe Landesarchiv Speyer – J 71 Nr. 428)

Ab 1.9.1928 unterrichtete Studienrat Ludwig Rosenblatt im Humanistischen Gymnasium Kaiserslautern (das heutige Albert-Schweitzer-Gymnasium) (Die Schule führte noch bis zum Ende des 2. Weltkriegs den Namen Humanistisches Gymnasium Kaiserslautern).

Bei der Stolpersteine-Verlegung für Eugenie und Ludwig Rosenblatt am 29.9.2024 in der Mannheimer Straße 106 in Kaiserslautern – Foto: Stolperstein-Initiative Kaiserslautern

In seiner Schule bewahrt man die Erinnerung an ihren ehemaligen Studienrat durch die Verleihung eines Buchpreises der „Ludwig-Rosenblatt-Stiftung“ an einen Schüler-/ Schülerin der Schule. (Festschrift des Albert-Schweitzer-Gymnasiums 1811 – 1986, S. 66 und S. 90-91)

Ebenso bei Schuljubiläen:

ZUR ERINNERUNG AN LUDWIG ROSENBLATT (1895-1942)


von Bernhard H. Gerlach (Ausführlicher Bericht siehe: Festschrift des Albert-Schweitzer-Gymnasiums 1811 – 1986, S. 82 – 94)

Während der Feier, in der die Schule 1960 ihres ehemaligen Lehrers Ludwig Rosenblatt gedachte, sagte einer der ersten Preisträger der Rosenblatt-Stiftung, der Oberprimaner Kurt Lechner:


„Diese Gedenktafel erinnert uns an den dunkelsten Abschnitt in der deutschen Geschichte. Einen Abschnitt, in dem vieles Vorhergehende umgekehrt war. (… z. B.) Kühle Realpolitik in dumme Brutalität. Kluge Diplomatie in grundsätzliche Verlogenheit. Recht in Unrecht. Kultur in Barbarei. Menschlichkeit in Unmenschlichkeit. (…) Es war eine Zeit, in der, ohne Recht, unter Missbrauch der Macht, nach einem Umsturz der meisten und besten sittlichen Normen der Vergangenheit Millionen von Menschen ihrer Überzeugung wegen der Freiheit beraubt und Millionen wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse ihres Lebens beraubt wurden.
Obwohl uns diese Tafel an dies alles erinnert, gibt es Leute, die den Sinn einer solchen Tafel leugnen. Müssen wir uns nicht ganz besonders intensiv daran immer wieder erinnern, da es doch Deutsche waren, die das alles getan haben. Menschen, deren Erbe wir übernommen haben, da sie unmittelbar und fühlbar in unseren Lebensbereich eingewirkt haben, wie in unserem Falle, indem sie uns einen unserer Lehrer geraubt und gegen die Grundidee unserer Schule verstoßen haben. Wir müssen erkennen, dass diese Tafel unbedingt wichtig, ja notwendig ist. Sie erhellt uns unsere Situation, und zwar sowohl die politische als auch die moralische der Gesamtheit und die jedes einzelnen.“

Diese Worte haben im Jahre 1986 ihren Sinn noch nicht verloren. Bestimmte Ereignisse und öffentliche Diskussionen der letzten Monate haben überdeutlich gezeigt, dass manche in unserem Land einen dunklen Abschnitt unserer Vergangenheit doch lieber „normalisieren“, „bewältigen“ möchten, um dann möglichst unverändert und ungestört zur heutigen „Tagesordnung“ überzugehen.
Schüler und Lehrer dieses Gymnasiums könnten demgegenüber das Gedenken an Ludwig Rosenblatt wachhalten, sie sollten sich dazu aufgefordert fühlen durch eine jüdische Weisheit, die auch in der historischen Ansprache des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zum 8. Mai 1985 zitiert wurde: „Das Vergessenwollen verlängert das Exil, das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung.“

Gedenktafel im Albert-Schweitzer-Gymnasium Kaiserslautern:
LERNET GERECHTIGKEIT
-IHR SEID GEWARNT-
UND DIE GÖTTER NICHT ZU VERACHTEN


Ludwig Rosenblatt: Biographie

Bernhard H. Gerlach, Lehrer am ASG (Zusammenfassung, vorgetragen bei der Verlegung der Stolpersteine für das Ehepaar Rosenblatt 2024)

Doch wer war Ludwig Rosenblatt? Er war ein Studienrat an unserer Schule und unterrichtete vom 1.9.1928 bis zum 8.10.1935 in den Fächern Alte Sprachen, Geschichte und Deutsch. Zeitweise war er auch an der benachbarten Oberrealschule als Lateinlehrer nebenamtlich tätig. Am 8.10.1935 wurde er aufgrund der „Nürnberger Gesetze“ von den Nazis zunächst beurlaubt und dann zum 31.12.1935 aus dem Schuldienst entlassen.

Ludwig Rosenblatt wurde am 6.5.1895 in Nürnberg in eine große jüdische Familie hineingeboren. Er besuchte dort zunächst die simultane Volksschule und anschließend das bekannte humanistische Alte Gymnasium. Neben dem Gymnasium besuchte Rosenblatt mehrere Jahre die „Israelitische Religionsschule Adass Jisroel“ (Gemeinde Israel, orthodox, täglich 2 Stunden).

Nach dem Abitur am 20.6.1915 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und diente vom 14.6.1915 bis zum 9. (bzw. 20.) 1.1919 als Infanterist im bayerischen Heer (Einsatz in Frankreich und Rumänien, zuletzt an der bayerisch-böhmischen Grenze). Er wurde mit dem Ehrenkreuz für Frontkämpfer ausgezeichnet. Diese militärischen Details würden hier nicht erwähnt, wenn sie nicht in der Biographie Rosenblatts noch einmal überraschend eine Bedeutung gewinnen sollten: Rosenblatt wurde als „Frontkämpfer“ im August 1933 noch nicht von den Nazis entlassen („Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“). Er durfte noch bis zum Herbst 1935 am Gymnasium unterrichten und musste sogar am 3.8.1934 den persönlichen Amtseid auf Adolf Hitler leisten.

Rosenblatt hatte von 1919 bis 1924 an den Universitäten Erlangen und Würzburg studiert. Er durchlief die Ausbildung als Studienreferendar im Schuljahr 1923/24 am Alten Gymnasium in Würzburg, konnte aber vermutlich wegen fehlender Stellen im bayerischen Schuldienst nicht eingestellt werden. Er ging deshalb von 1926 bis 1928 an das jüdische Realgymnasium in Köln und von 1926 bis 1928 an das jüdische Realgymnasium und Lyzeum der Adass Jisroel in Berlin.

Ludwig Rosenblatt war verheiratet mit Eugenie Kaufmann, geboren am 2.6.1896 in Ladenburg. Seine Ehe blieb kinderlos. Zeitweilig hat er auch, wie verschiedene Unterlagen zeigen, die französische Form seines Vornamens (Louis) verwendet. Das Ehepaar wohnte in Kaiserslautern in der Mannheimer Straße 106.

In seinen dienstlichen Beurteilungen von 1929 und 1931 durch Direktor Kesselring finden wir als Gesamtwürdigung die Note gut (II). Rosenblatt wurde als ein gewissenhafter und dienstwilliger Lehrer bezeichnet, „der sich seinem Beruf in allen Obliegenheiten in anerkennenswerter Hingabe widmet. Er bereitet sich mit großer Sorgfalt auf seinen Unterricht vor, weiß diesen nach überlegten Grundsätzen methodisch geschickt und frisch zu gestalten und für die Förderung der Schüler gut auszunützen.“

Der neue Direktor Weber übernahm in seiner abschließenden Beurteilung im Herbst 1935 die positive Gesamtwürdigung Rosenblatts (z. B. „dienstliches und außerdienstliches Verhalten: tadellos“), durfte ihm jedoch keine Dankesurkunde aushändigen und musste ihn nach Anweisung des Ministeriums beurlauben und später aus dem Schuldienst entlassen. Direktor Weber bestätigte Rosenblatt für eine Bewerbung an das jüdische Gymnasium in Breslau eine „ernste Berufsauffassung und ein starkes Pflichtbewusstsein, (außerdem) eine gute Erziehungsgabe“.

In den Erzählungen mehrerer ehemaliger Schüler wird Ludwig Rosenblatt als anerkannt und beliebt bezeichnet. Ein ehemaliger Schüler erinnert sich, dass Rosenblatt samstags (Sabbat!) ohne Tasche in die Schule kam, seine Unterrichtsvorbereitungen hatte er vermutlich in der Schule deponiert. Es konnte nicht geklärt werden, ob Rosenblatt – angesichts dieser orthodoxen Lebensweise – überhaupt einen Kontakt zur liberalen jüdischen Gemeinde in Kaiserslautern hatte.

Rosenblatt sollte nach seiner „Versetzung in den Ruhestand“ zunächst bis zur Erreichung der Altersgrenze die vollen Dienstbezüge erhalten und danach ein Ruhegehalt. Diese Bestimmungen wurden aber bald geändert, 1939 wurde das Resteinkommen weiter gekürzt und dann ganz gestrichen.

Rosenblatt wohnte ab 1936 mit seiner Frau in Frankfurt/Main. Es ist zu vermuten, dass er dort zeitweise für jüdische Schüler noch Unterricht erteilte.

Als letzte Adresse in Frankfurt/Main ist die Feldbergstraße 42-46 festzustellen. Hierbei handelte es sich um ein „Judenhaus“, worin nach 1939 jüdische Familien auf engstem Raum konzentriert wurden (diese „Judenhäuser“ gab es auch in Kaiserslautern!). Von dort wurde Ludwig Rosenblatt mit seiner Frau und 1100 anderen Juden am 19. Oktober 1941 in den Osten, und zwar in das Getto Lódz deportiert. Hier verlieren sich seine Spuren. Nachdem die Mordkommandos der SS in Polen und in den sowjetischen Republiken schon Tausende von Juden umgebracht hatten, begannen im November 1941 an mehreren Orten im Osten die Vergasungen.
(Zu dieser Zeit war der aus Kaiserslautern stammende Otto Bradfisch als hoher SS-Obersturmführer und Leiter des Einsatzkommandos 8 u.a. für die Mordaktionen im Osten mitverantwortlich. Ab April 1942 war er für das Lager und die Stadt Litzmannstadt (Lódz) verantwortlich. Zu Bradfisch, siehe unten, letzter Abschnitt)

Wenn er nicht in Lódz umgekommen ist oder in dem nahegelegenen Vernichtungslager Chelmno (die Todesvermutung geht vom Jahre 1942 aus), so gehörten Ludwig Rosenblatt und seine Frau zu den Opfern, die vom 6.-30. August 1944 bei der Evakuierung des Gettos von Lódz in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurden. Ludwig Rosenblatt hatte noch sechs Brüder und Schwestern. Von diesen haben nur Kurt Rosenblatt (später Tel Aviv) und Heinrich Rosenblatt (später Los Angeles: Dr. Dr. Henry Roy) überlebt (Brief von Dr. Roy vom 11.12.1961).


Raphael Hirsch, ein Urenkel von Eugenie Rosenblatts Schwester Frieda, teilte am 8.3.2026 mit:
„Ich möchte jedoch noch eine Kleinigkeit hinzufügen: Louis und Eugenia Rosenblatt wurden zunächst nach Frankreich und später in den Osten deportiert. Im Anhang finden Sie einen Link zur Website der Shoah-Gedenkstätte in Paris. In der Liste der 73 Deportierten aus La Châtre (Indre), deren Familien im Lager Douadic interniert waren, sind Louis Rosenblatt und seine Frau aufgeführt: https://ressources.memorialdelashoah.org/notice.php?q=id:587387.“

Die Herkunftsfamilie von Ludwig Rosenblatt

Die Lebensdaten sind Genogrammen und Dokumenten folgender Dateien entnommen: Gedenkbuch Bundesarchiv, Yad Vashem, Genicom, familysearch, findagrave

Eltern von Ludwig:
Siegmund Rosenblatt (*1865 Nürnberg ✡2.2.1928 Nürnberg) und Lina Frankenburger (*18.5.1869 Nürnberg ✡23.4.1938 Nürnberg)

Ludwig (*6.5.1895) in Nürnberg hatte sieben Geschwister:

  • Flora Rosenblatt, verheiratete Weilheimer, *25.5.1894, ✡1942? Auschwitz?
  • Kurt Rosenblatt, später Tel Aviv? ? ?
  • Carola, verheiratete Oppenheim, *18.6.1897, ✡1983 Los Angeles
  • Dr. Heinrich (Henry Roy) Rosenblatt, *23.9.1898, ✡4.5.1979 Los Angeles
  • Leo Rosenblatt, *9.11.1899, ✡28.1.1939 Dachau
  • Rosie Rosenblatt, verheiratete Rosenfelder, *7.7.1904, ✡1942 Auschwitz?
  • Walter Rosenblatt *17.10.1912 ✡30.12.1940, Euthanasie -Tötungsanstalt Hartheim

Von den Geschwistern überlebten nur Carola Oppenheim und Dr. Heinrich Rosenblatt, die in die USA flüchten konnten und wahrscheinlich Kurt Rosenblatt.

Ludwigs Bruder Heinrich meldete sich im Dezember 1948 mit dem Namen Dr. Henry Roy Rosenblatt aus Los Angeles, informierte über das Schicksal seines Bruders und setzte sich für die Errichtung einer Gedenktafel ein. Nach Errichtung des Schulneubaus wurde die oben abgebildete Tafel im Innenbereich der Schule eingesetzt. Dr. Henry R. Rosenblatt spendete darüber hinaus 1959 einen Geldbetrag, der für die Gründung der „Ludwig-Rosenblatt-Stiftung“ genutzt wurde. Regelmäßig kann ein Schüler oder eine Schülerin einen Buchpreis erhalten, der/die sich um ein tieferes „Verständnis der Geschichte und des Schicksals des jüdischen Volkes“ bemüht hat. (Festschrift des Albert-Schweitzer-Gymnasiums 1811 – 1986, S. 66 und S. 90-91)


Die Herkunftsfamilie von Eugenie Rosenblatt, geborene Kaufmann

Daten zur Familie Kaufmann von: Dr. Ulrich Erhardt, Heimatbund Ladenburg e. V.
und Dr. Jürgen Zieher, Spuren jüdischen Lebens in Ladenburg – Ein Rundgang, Herausgeber: Stadt Ladenburg, 2019, Seiten 28 – 31

Eugenie Kaufmann wurde am 2.6.1896 in Ladenburg geboren. Ihre Großmutter, Jeanette Kaufmann, geborene Feist, hatte 1854 in der Hauptstraße 26 in Ladenburg ein Textilgeschäft gegründet. Ende des 19. Jahrhunderts führten es drei ihrer Söhne weiter: Eugenies Vater Julius und ihre Onkel Moses und Abraham Kaufmann.

Eugenies Eltern:


Julius Kaufmann II,
*2.9.1850, ✡2.10.1934

Thekla Kaufmann, geb. Lindauer,
*2.9.1850, ✡21.4.1934

Fotos: von Raphael Hirsch

Vater Julius Kaufmann II (*2.9.1850 Ladenburg, ✡2.10.1934 Ladenburg) war in der Israelitischen Gemeinde Ladenburg sehr bekannt. Er engagierte sich für wohltätige Zwecke und war jahrzehntelang Mitglied des Synagogenrats.

Mutter Thekla Lindauer (*20.2.1857 Menzingen, ✡21.4.1934 Ladenburg) stammte aus Menzingen, Kreis Karlsruhe.

Tochter Eugenie Kaufmann (*2.6.1896 in Ladenburg, ✡um 1942 in einem Lager in Polen) war die jüngste und hatte fünf ebenfalls in Ladenburg geborene Schwestern:

  • Frieda Kaufmann, verheiratete Muller, *19.10.1882, ✡1964 Straßburg
  • Zessie Kaufmann , verheiratete Saul, *19.11.1886, ✡ 1945? Lodz?
  • Ella Kaufmann, verheiratete Levy, *4. 5.1890, ✡1942? Auschwitz
  • Lydia Kaufmann, verheiratet mit Kurt Wormser, *1.11.1891, ✡9.11.1976 Jerusalem
  • Selma Kaufmann, verheiratet mit Fritz Hirsch, *18.7.1894, ✡9.10.1956 Jerusalem


Eugenie lebte zeitweise in Mannheim, in Hörden im Harz und hielt sich von 1921 bis 1923 erneut in Ladenburg auf. Sie erlernte keinen Beruf und verlobte sich 1925 mit dem Studienrat Ludwig Rosenblatt, den sie am 24.4.1926 in Ladenburg heiratete.

Am 20.3.1936 zog das Ehepaar laut Meldeeinträgen von Kaiserslautern nach Frankfurt/Main.

Am 19.10.1941 wurden sie in das Getto Lódz deportiert, wo sich ihre Spur verliert.

Auch die zwei Schwestern von Eugenie, Zessie und Ella wurden Opfer des Holocausts und starben ebenfalls in osteuropäischen Lagern.


Vom Humanistischen Gymnasium Kaiserslautern zum Ghetto Litzmannstadt (Łódź)
Ludwig Rosenblatt das Opfer – Otto Bradfisch der Täter


Sechs Jahre, bevor Ludwig Rosenblatt als Lehrer in das Humanistische Gymnasium kam, legte der Schüler Otto Bradfisch dort das Abitur ab. Er wurde später sehr wahrscheinlich zum (Schreibtisch-) Mörder von Ludwig Rosenblatt.


Otto Bradfisch wuchs in der Marktstraße in Kaiserslautern auf, bestand 1922 am Humanistischen Gymnasium Kaiserslautern das Abitur und legte in München 1935 das 2. Staatsexamen als Jurist ab. Bereits seit 1931 war er NSDAP-Mitglied. 1937 wurde er als Leiter der Gestapo Neustadt/Haardt (heute Neustadt/Weinstraße) eingesetzt. Ab 1938 in der SS war er am Vernichtungskrieg in Osteuropa beteiligt.

„Als Leiter der Staatspolizeistelle Litzmannstadt (Łódź) seit April 1942, Kommandeur der Sicherheitspolizei (SiPo) und des SD [Sicherheitsdienst des Reichsführers SS] sowie kommissarischer Oberbürgermeister der Stadt war er maßgeblich an der Deportation von über 100.000 Jüdinnen*Juden in die Vernichtungslager Kulmhof (Chełmno) und Auschwitz-Birkenau beteiligt.“ (NS-Dokumentationszentrums München, Ulla-Britta Vollhardt: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/bradfisch-otto-101)

Bradfisch war sehr wahrscheinlich auch für den Tod von zwei seiner Nachbarn aus der Marktstraße 52 verantwortlich, siehe Stolperstein-Biografie der Familie Dalsheim: https://stolpersteine-kl.de/stolpersteine-in-kaiserslautern/biografie-der-familie-dalsheim/.

LERNET GERECHTIGKEIT!